Wenn Social Media zur Gefahr wird

Cybermobbing und Cybergrooming: Worauf Eltern und Bezugspersonen achten sollten
Foto: Adobe Stock
31. März 2026

Welche Gefahren und Risiken drohen Jugendlichen auf Social Media? Cybermobbing und Cybergrooming zählen zu den größten Herausforderungen, weiß Jennifer Mrohs, Erzieherin im Gruppendienst und im Medienpädagogischen Fachdienst des KJF Frère-Roger-Kinderzentrums der KJF Augsburg.

Cybermobbing bezeichnet Beleidigungen, Bedrohungen, Bloßstellungen oder Belästigungen über digitale Kommunikationsmedien – häufig anonym und rund um die Uhr. Beim Cybergrooming hingegen bahnen Täter gezielt über das Internet sexuelle Kontakte zu Minderjährigen an, oft über private Chats und durch manipulative Strategien.
Für Eltern, Lehrkräfte und andere Bezugspersonen sind solche Situationen oft schwer zu greifen. Viele fühlen sich hilflos oder überfordert – nicht zuletzt, weil sich die digitalen Lebenswelten von Jugendlichen und Erwachsenen deutlich unterscheiden. Doch wie können Erwachsene junge Menschen wirksam unterstützen?

Bedeutung von Kontakt und Haltung
„Ein guter Kontakt zum Jugendlichen ist die wichtigste Grundlage – sowohl zur Prävention als auch im akuten Fall“, betont Jennifer Mrohs. Gerade bei Themen rund um Social Media prallen jedoch häufig unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Umso wichtiger sei es, eine offene und wertschätzende Haltung einzunehmen.

Die Expertin des Frère-Roger-Kinderzentrums rät Eltern und Betreuenden, Jugendliche nicht für ihre Social-Media-Nutzung zu verurteilen. Vorwürfe oder ein „Habe ich dir doch gesagt“ können dazu führen, dass sich junge Menschen zurückziehen und Probleme verheimlichen. Fühlen sie sich hingegen ernst genommen und verstanden, sprechen sie eher über belastende Erfahrungen. Auch Präventionsgespräche – etwa zum Thema Cybergrooming – sind deutlich wirksamer, wenn sie auf Vertrauen basieren.

Handykontrolle gegen Cybergrooming
Die KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Augsburg berät Eltern auch zu Cyberthematiken und unterstützt im vertrauensvollen Umgang mit Jugendlichen. Dr. Tobias Engelschalk, Leiter der Beratungsstelle der KJF Augsburg, rät: „Eltern sollten sich das Recht vorbehalten, das Handy des Kindes regelmäßig zu überprüfen, aber mit Wissen des Kindes und gemeinsam. Gerade bei Cybergrooming ist es selbst bei bestem Kontakt zwischen Eltern und Jugendlichen unwahrscheinlich, dass sich die Kinder anvertrauen, besonders wenn das Grooming schon weiter fortgeschritten ist und sich die Jugendlichen zu schämen beginnen. Allein das Wissen, dass die Eltern einen Blick auf das Handy haben, kann eine präventive Wirkung haben.“

Tipps bei Cybermobbing

1. Dokumentieren: Betroffene Jugendliche sollten beleidigende oder bedrohliche Inhalte per Screenshot auf dem eigenen Gerät sichern. Diese Aufnahmen sollten aus Datenschutzgründen nicht weitergeleitet werden. Bei sensiblen Inhalten, etwa Nacktbildern, ist besondere Vorsicht geboten: Erwachsene machen sich strafbar, wenn sie solche Bilder auf ihren eigenen Geräten speichern – auch zur vermeintlichen Beweissicherung.

2. Melden: Inhalte können direkt auf der jeweiligen Social-Media-Plattform sowie zusätzlich über www.jugendschutz.net gemeldet werden, um eine Entfernung zu veranlassen.

3. Gespräch suchen: Ein offenes, empathisches Gespräch mit dem Jugendlichen ist zentral. Zuhören und Ernstnehmen stärkt und entlastet. Findet das Cybermobbing im schulischen Kontext statt, sollten Lehrkräfte transparent einbezogen werden. Weitere Schritte sollten gut abgestimmt sein, um Eskalationen zu vermeiden. Auch das Einbeziehen der Eltern mobbender Jugendlicher muss sorgfältig abgewogen werden.

4. Anzeige erstatten: In schweren Fällen kann Cybermobbing bei der Polizei angezeigt werden.

Tipps bei Cybergrooming

1. Sensibilisieren: Jugendliche sollten ermutigt werden, sparsam mit persönlichen Daten umzugehen – etwa keine Fotos, Altersangaben oder andere private Informationen auf öffentlichen Profilen zu teilen.

2. Offenheit stärken: Ehrlichkeit und Vertrauen wertschätzen und nicht vorschnell bewerten oder verurteilen.

3. Begleitung anbieten: Bei geplanten Treffen mit Online-Kontakten sollten Erwachsene begleiten oder zumindest informiert sein.

4. Dokumentieren: Verdächtige Chats oder Nachrichten per Screenshot sichern.

5. Melden: Verdachtsfälle über die jeweilige Plattform oder beispielsweise über www.jugendschutz.net melden.

6. Anzeige erstatten: Cybergrooming ist eine Straftat und sollte bei der Polizei angezeigt werden.

Über den Medienpädagogischen Fachdienst und das KJF Frère-Roger-Kinderzentrum
Der Medienpädagogische Fachdienst des KJF Frère-Roger-Kinderzentrums bietet jungen Menschen verschiedene Angebote rund um Medienkompetenz. Der Fachdienst begleitet und berät die Jungen und Mädchen alltagsnah und individuell.

Das Frère-Roger-Kinderzentrum ist die vielfältigste und größte Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung in Stadt und Landkreis Augsburg. Knapp 600 Mitarbeitende kümmern sich um Kinder, Jugendliche sowie junge Erwachsene mit Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsstörungen und psychischen Störungen. Rund 350 Kinder und Jugendliche leben in den therapeutischen und heilpädagogischen Wohngruppen oder besuchen die zahlreichen Tagesstätten. Darüber hinaus werden rund 200 Familien ambulant betreut. Mit Angeboten an Schulen sowie in der offenen Jugendarbeit erreichen die Mitarbeitenden tausende weitere Kinder und Jugendliche in der Region. Besonders spezialisiert ist das Frère-Roger-Kinderzentrum in den Bereichen Autismus, Trauma und Bindungsstörungen, sexuelle Grenzverletzungen sowie Essstörungen.

Über die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung der KJF Augsburg
Im Regierungsbezirk Schwaben bietet die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. (KJF Augsburg) fast flächendeckend Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungen an. Auch im angrenzenden Bezirk Oberbayern sind die Beraterinnen und Berater im Landkreis Weilheim-Schongau präsent. Aktuell sind die Fachberaterinnen und -berater der KJF Augsburg jährlich mit rund 18.000 Personen im direkten Beratungskontakt.

Besondere Beratungen wie Schreibabyberatung oder „Kinder im Blick“-Kurse für Elternteile in Trennung gehören in zahlreichen Landkreisen zum Angebot – über klassische Erziehungsberatung hinaus. In fünf Landkreisen gibt es explizit eine Fachstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

In Stadt und Landkreis Augsburg hilft die KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Augsburg bei allen Fragen rund um Erziehung und Familienalltag unkompliziert und kostenfrei weiter. Die Beratung unterliegt der Schweigepflicht.

Kontakt: KJF Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Augsburg, Jesuitengasse 21, 86152 Augsburg, Telefon: 0821 4554100, E-Mail: eb.augsburg@kjf-soziale-angebote.de

Zusätzlich kann die anonyme Onlineberatung unter www.caritas.de/onlineberatung genutzt werden.