Wohngruppe des Frère-Roger-Kinderzentrums bezieht Neubau

Stationäres Betreuungsangebot der KJF Augsburg in ländlicher Umgebung unterstützt Therapie von Kindern mit Bindungsstörung und Traumatisierung
Beziehungsaufbau und Vertrauensgewinn sind wichtig bei Traumatisierungen (Symbolbild)
Bei Kindern mit schweren Bindungsstörungen und Traumatisierungen ist es wichtig, das Vertrauen zu gewinnen und eine Beziehung aufzubauen. Dies gelingt sehr gut im persönlichen Gespräch. (Symbolbild der KJF Augsburg) Foto: KJF Augsburg / Carolin Jacklin
13. August 2021

In der Therapeutischen Wohngruppe „Albatros“ des Frère-Roger-Kinderzentrums, das zur Katholischen Jugendfürsorge (KJF) der Diözese Augsburg gehört, finden Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre ein neues Zuhause, die an den Folgen einer Traumatisierung leiden oder eine ausgeprägte Bindungsstörung haben.

Auf dem Gelände des Josefsheims in Reitenbuch (Landkreis Augsburg) wurde in Kooperation mit dem Verein „Christliche Kinder- und Jugendhilfe“ ein eigener Flachbau für die Wohngruppe „Albatros“ mit einer Investitionssumme von rund 1,5 Millionen Euro errichtet. Die Kinder und Jugendlichen der Wohngruppe, die zuvor in Stettenhofen angesiedelt war, haben sich bereits gut eingelebt.
Das Frère-Roger-Kinderzentrum der KJF Augsburg bietet Kindern und Jugendlichen, die einen besonderen Betreuungs- und Förderbedarf haben, eine geschützte Lebenswelt. In familienähnlichen Strukturen finden sie in verschiedenen Wohnformen ausreichend Raum für die individuelle Entwicklung sozialer und persönlicher Kompetenzen. Die Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen besitzen unter anderem große Erfahrung und Expertise in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit ausgeprägten Bindungsstörungen und Traumatisierungen, wie sie auch in der Wohngruppe „Albatros“ vorkommen. Diese Störungen führen häufig dazu, dass ein geregeltes Miteinander in der Gruppe nicht möglich ist – das soziale System wird durch das Verhalten "gesprengt".

Stefanie Schnürle, Bereichsleiterin der Therapeutischen Wohngruppen des Frère-Roger-Kinderzentrums, vermeidet den Begriff „Systemsprenger“, wenn sie über ihre Schützlinge spricht. Unsere Kinder und Jugendlichen können sich nur sehr schwer an ein soziales Umfeld anpassen. Alles, was sie machen, ist quasi ein Überlebenskampf für sie“, macht die Diplom-Psychologin deutlich. Das Frère-Roger-Kinderzentrum betreut besonders schwierige Fälle, wie Stefanie Schnürle erklärt: „Der Bedarf der Betreuung für Kinder mit massiven Bindungsstörungen steigt stetig. Die Corona-Pandemie hat dies auch noch verstärkt. Da es nicht so viele Wohngruppen gibt und wir schon seit vielen Jahren auf diesem Gebiet arbeiten, kommen sehr viele zu uns.“

Stressreduzierung durch ländliche Umgebung

Das neue Zuhause der Wohngruppe „Albatros“ in der ländlichen, ruhigen Umgebung inmitten der Erholungslandschaft Stauden minimiert laut Stefanie Schnürle Stressfaktoren und ist deshalb ein hervorragender Ort für die Betreuung. Aufgrund der sozialen Probleme und Unsicherheiten der in der Therapeutischen Wohngruppe betreuten Kinder und Jugendlichen und der dadurch nötigen, intensiven Betreuung sind kleine Gruppen wichtig. Die neuen Räumlichkeiten in Form eines Flachbaus bieten ideale Rahmenbedingungen für die sechs Kinder der Wohngruppe im Alter von neun bis 14 Jahren.

Die Betreuung und Therapie vor Ort übernimmt ein Team aus den Bereichen Sozialpädagogik, Erziehung, Heilerziehungspflege, Heilpädagogik und Psychologie. Ziel ist es, Beziehungen zu den Kindern und Jugendlichen zu stärken, damit diese Vertrauen aufbauen und sich in soziale Systeme integrieren können. Eine schwierige Aufgabe, wie Stefanie Schnürle deutlich macht: „Transparenz und Planbarkeit sind extrem wichtig für die Kinder. Sie benötigen einen strukturierten Alltag, den sie selbst mitgestalten können. Wir versuchen, ein flexibles System aufzubauen, das diese Kinder und Jugendlichen nicht sprengen können. Dabei ist es wichtig, auf jeden Einzelnen individuell einzugehen.“

Mindestens zwei Jahre werden Kinder und Jugendliche mit diesen Störungen in Wohngruppen wie „Albatros“ betreut und gezielt gefördert, mit dem Ziel, dass sie anschließend wieder nach Hause können. Klappt dieser Schritt nicht und besteht weiterhin der Bedarf eines engen Betreuungsrahmens, können sie im Jugendalter in entsprechende Wohngruppen für Jugendliche des Frère-Roger-Kinderzentrums umziehen.